Letra de Mann
Mann - Dieter Süverkrüpp Steh doch auf und schlaf nicht ein in deinem Blut du armer Hund, bück dich jetzt nicht mehr nach deinen Zähnen, guter Mann. Steck sie dir nicht nochmal in den aufgequollnen Mund, los doch, spuck sie aus, sie wachsen nie mehr wieder an. Kriech nach Hause, wenn du kannst, du riechst nach Blut, nach Schnaps und Schweiß, hast bekommen, was du brauchtest und nun bist du endlich still. Einer der so ist wie du, der muß das haben, ja ich weiß, Einer der so ist wie du, den sonst keiner haben will. Und nun krümmst du dich, du fluchst und hustest, hältst dir deinen Bauch, willst was sagen, kannst es sowieso nicht, kotz dich lieber aus, hast dein Leben lang nie reden können, mit wem denn auch? Aber eines Tages kommt doch plötzlich alles raus. Die Jauche, die sich in dir sammelt staut sich unter deiner Haut, schließt die Poren, kocht und brodelt und mischt sich mit deinem Blut. Und wenn die Suppe sich in deinem Hirn zusammenbraut, stinkts, wenn du das Maul aufmachst und du kotzt vor Haß und Wut. Immer wenn du soweit bist, wirst du in eine Kneipe gehen denn unter all den Leuten die dort saufen so wie du gibts immer einen, der ist voll bis obenhin, kann kaum noch stehn. Der rempelt dich nur an und dann schlägst du wieder zu. Und dann siehst du nichts mehr, hörst nichts mehr, wirst erst zufrieden sein, wenn du daliegst so wie jetzt, deine Augen schmutzverklebt, und den Schmerz genießen kannst im zerquetschten Nasenbein der stark pocht damit du spürst, das in dir noch etwas lebt. Gib sie mir, ich kann sie brauchen, diese fürchterliche Wut. Ich würde sie nicht so vergeuden, mich nicht hauen wos keiner sieht, ich würde warten, ich, der keiner Fliege etwas tut, auf den Tag, an dem was national Bedeutendes geschieht. Ein hohes Tier müßt es schon sein, darunter rührt ich keine Hand, doch bei so einem da langt ich hin, alles legte ich darein. Aber nur wenn's Fernsehn life dabei wär für das ganze Land. Und die Weltpresse versteht sich, müßte auch zugegen sein. Doch du hast vielmehr nachzuholen, kriegst vielleicht auch irgendwann einen ders verdient zu packen, hab schon an den Papst gedacht. Nimm ihn dir vor. Nein, schlag ihn nicht, er ist ein kranker Mann, der wie du für seinen Chef auch nur die Dreckarbeiten macht. Nein, drück ihm seinen hohen spitzen Hut tief ins Gesicht, über beide Ohren, daß er sich dabei verbiegt und die Brillianten runterbröckeln, aber bück dich danach nicht. Gleich weitergehn ins Paradies, der Papst weiß wo es liegt. Dieses Paradies hat vor dir keine Menschenseele je, lebendig oder tot, gesehn, auch hat mans vorher nie gewußt. Nimms in Besitz, dies kahle Land, du findest schon den Dreh, wie du mit deinesgleichen dieses Feld beackern mußt. Vielleicht trefft ihr dort oben, doch das steht noch gar nicht fest, einen Greis, zehntausend Jahre alt, der nicht sterben kann. Der sich nur noch von seinem Sohn mit Grießbrei füttern läßt. Läßt aus Furcht um seinen Thron niemand sonst an sich heran. Noch hält dieser Greis in seiner Hand die Fäden dieser Welt Nehmt sie ihm ab, verzeiht ihm, oder nicht, es ist auch gleich. Erlöst seid ihr dann, wenn sein Thron in sich zusammenfällt. Doch den Sohn behandelt gut, er ist einer von euch.